Tag 78 03.07. South Lake Tahoe > US Highway 50 (Mi 1.092) – Tentsite (Mi 1.119,2) – 27,2 Mi

Die Nacht war kurz. Ich war ja erst um Mitternacht im Hotel und habe dann noch meinen Blog fertig geschrieben. Und heute Morgen bin ich zur Wanderzeit um 5:30 wach geworden. Aufgestanden bin ich aber erst eine Stunde später. Die ganze Nacht über war ich ziemlich unruhig, denn es lag ein langer Tag vor mir. Der größte Teil des Weges wird mich heute durch die Desolation Wilderness führen. Und um in diesem Abschnitt übernachten zu dürfen, braucht man eine Bearcan. Und ich habe meine ja gestern weg geschickt. Was bedeutet, dass ich in einem Rutsch da durch muss. Zuerst muss ich aber mal zurück zum Trail. Das hat mich alles zusammen schon etwas unentspannt gemacht.

Also habe ich schnell geduscht und meine Sachen gepackt. Danach bin ich wieder über die Straße zu Heidis zum Frühstück. Twins kam etwas später auch dazu.

Gestern Abend hat Magic Mike noch erzählt, dass er für 8h ein Shuttle organisiert hat. Da ich um 7:45 schon wieder am Hotel war, war also noch massig Zeit zum verabschieden. Denkste. Der Trail Angel war zu früh da. Also habe ich mir nur noch meine Sachen geschnappt, kurz die beiden Jungs gedrückt und weg war ich.

Unser Trail Angel war eine Ex-Hikerin, die den Trail aufgegeben hat, da sie zu schnell zu viel Gewicht verloren hat. Jetzt begleitet sie Ihre Tramily im Auto und shuttelt sie. Was den Vorteil hat, das sie jetzt Ihren Hund Oliver dabei haben kann.

Um 8:30 war ich wieder auf dem Trail und mein Tag konnte richtig beginnen.

Der erste Abschnitt vom Highway bis nach Echo Lake waren ganze 1,4 Meilen, die unglaublich schnell verflogen sind.

Jetzt kann man sich natürlich fragen, was an Echo Lake so besonders ist. Die Antwort ist: hier endet die Farout Karte der Sierra und der Abschnitt für Northern California beginnt. Die dritte von fünf Karten. Und am Ende dieser Karte werde ich Kalifornien nach über 1.600 Meilen endlich verlassen.

Das habe ich gebührend mit einer Soda gefeiert. 😊

Die nächsten drei Meilen waren quasi der Zubringer zur Desolation Wilderness und führten an Echo Lake entlang. Ich kann gut verstehen, warum hier das ein oder andere Ferienhäuschen steht.

Und dann war ich in der Desolation Wilderness.

Die Bestand, zumindest gefühlt, aus zwei Abschnitten. Der erste Abschnitt verlief entlang und oberhalb mehrerer Seen. Der zweite durch Wald.

Die ersten beiden waren Triangle Lake und Lake of the Woods, die ich zwar sehen, aber an die ich nicht nahe heran gekommen bin.

Nach einem kleinen Aufstieg (zumindest dann klein, wenn man nicht die Sierra in den Beinen hat) kam ich zu Aloha Lake. Und der war … der Wahnsinn. Ich hätte  den ganzen Tag da sitzen und diesen See anschauen können.

Aber das ging leider nicht. Dafür wartete dort der nächste große Meilenstein. Da es keine Markierung gab, haben Magic Mike und ich schnell eben eine gemacht.

Jetzt ging es im Bogen um einen Berg herum und abwärts, bevor der größte Anstieg des Tages folgte.

Und der hatte es in sich. Vor allem, da es inzwischen richtig heiß war.

Oben angekommen gab es dann den Rückblick auf die Seen und den Ausblick auf Dicks Lake.

Da war es ca. 13h und es lagen noch 12,7 Meilen vor mir. Und obwohl es bisher ein zwar heißer, aber richtig schöner Tag war, dass war dann doch etwas demotivierend.

Auf Grund der Länge der heutigen Strecke habe ich mir außerdem längere Pausen untersagt. Das war vermutlich Fluch und Segen gleichzeitig.

Ab da waren zumindest die meisten Höhenmeter und langen Steigungen geschafft. Der Rest des Tages hätte zwar auch nicht genug Höhenmeter, verlief aber meist rollend.

Dann veränderte sich das Gelände und der Waldabschnitt begann. Und damit kamen die Mücken. Die waren vorher zwar auch schon da, aber jetzt wurde es schlimm. Und je später es wurde, desto schlimmer wurde es.

Trotz DEET bin ich zum Schluss hin fast gerannt. Die Schwärme waren so groß und aggressiv, das die schiere Masse überwältigend war.

Um 20:15 war ich endlich an meinem Ziel und habe so schnell es nur irgend ging mein Zelt aufgebaut. Warmes Abendessen fällt heute aus. Stattdessen gab es Riegel und Snacks in der Sicherheit meines Zeltes.

Bis das alles erledigt und mein Blog geschrieben war, war es dann auch schon 21:35. Ein ziemlich langer Tag.

27,2 Meilen sind mehr als ein Marathon. Und dazu noch fast 1.400 Höhenmeter. Hat es sich also gelohnt die Bearcan weg zu schicken? Ja, absolut. Mein Rucksack ist so viel leichter und damit auch das wandern, es ist ein Traum.

2 Kommentare zu „Tag 78 03.07. South Lake Tahoe > US Highway 50 (Mi 1.092) – Tentsite (Mi 1.119,2) – 27,2 Mi“

  1. Hi Chris, wollte dir nur sagen, dass wir immer gerne deinen Blog lesen und ihn schon mit Spannung erwarten…wenn er manchmal auf sich warten lässt werden wir schon unruhig u schauen mehrmals ins gmx , ob schon was angekommen ist. Die Szenerie ist wirklich atemberaubend schön…und entlohnt mit Sicherheit für so manche Strapaze…wir fragen uns, ob du schon mal an dem Punkt warst, aufzugeben? Irgendwie können wir uns das nicht vorstellen. Aber wieso hast du die bearcan weggeschickt?…das Bärengebiet fängt doch jetzt erst richtig an. Halte weiterhin Augen und Ohren auf…das kann nie schaden…aber eigentlich brauchen wir uns keine Sorgen machen…du hast dort eine wunderbare Wandergemeinschaft gefunden, wo jeder auf jeden achtet…das ist viel wert. Wünschen dir weiterhin die beste Zeit, liebe Grüße, Andrea u Allyn

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    1. Vielen Dank Ihr Zwei! Der Empfang ist häufig richtig schlecht, da ist nicht daran zu denken den Blog hochzuladen.

      Schön ist es wirklich. Aber die harten Teile sieht man bei den tollen Bildern nicht. Die Hitze, die müden Beine, der Dreck und die Anstrengung.
      Ob ich schon mal ans aufgeben gedacht habe? Ganz klar: ja. Gerade die ersten Wochen waren richtig hart. Aber das ist in der letzten Zeit fast komplett verschwunden. Und jetzt bin ich ja schon fast am Ziel, da macht aufgeben ja gar keinen Sinn. 😉

      Und die Bearcan? Ab jetzt gibt es nur wenige Abschnitte in denen Parks oder Wilderness Areas eine Bearcan zur Übernachtung vorschreiben. Und wenn ich mir die 1,2kg sparen kann, dann tue ich das. Und ich kann mein Essen ja auch in Bäumen aufhängen.

      Liebe Grüße an Euch

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