Tag 124: Stealth Camp nach Stealth Camp (1849,0 – 1866,5 Mi)

Trotz des sehr vollen und engen Lagers und den damit verbundenen Geräuschen habe ich sehr gut geschlafen. Und da heute ein anstrengender, langer und hoffentlich toller Tag Anstand, war ich auch schon um 6:40 unterwegs.

Die nächsten 1,3 Meilen gingen sofort und ohne Umschweife 900 Fuß hoch auf den Gipfel von Mount Webster.

Und sowohl dieser als auch alle andere Aufstiege in den nächsten Stunden führten nur auf ein Ziel zu, Mount Washington. Und der zeigte sich auch schon ganz zaghaft im Hintergrund.

Zuerst stand aber die Mizpah Spring Hut auf dem Plan. Und das nicht nur in der Hoffnung, das für uns arme Thru-Hiker noch Reste vom Frühstück übrig sind. 😉 Der Weg dorthin war vergleichsweise flach. Nur gelegentlich gab es die ein oder andere Kletterpassage.

Um 9:15 war ich an der Hut. Die meisten der anderen waren bereits dort und am (zweiten) Frühstück. Reste waren leider nicht mehr über. Dafür gab es aber Kuchen. Auch nicht verkehrt.

Danach wurde es ernst. Die nächsten sechs Meilen verliefen über die Gipfel von zwei 4.000 und einem 5.000ender. und die gesamte Zeit oberhalb der Baumgrenze. Entsprechend ging es ständig auf und ab, wobei die aufs logischerweise überwogen haben. 😉 Der gesamte Aufstieg war traumhaft. Das Grinsen hätte man mir schon aus dem Gesicht operieren müssen.

Als erstes kam der 4.312 Fuß hohe Mount Pierce an die Reihe.

Danach folgte in 1,9 Meilen Entfernung der 4.499 Fuß hohe Mount Eisenhower.

Und nur nach 0,9 Meilen stand ich schon auf dem 5.004 Fuß hohen Mount Franklin.

Wieder pünktlich um 12h zur Mittagszeit habe ich die Lake in the Clouds Hut erreicht. Das ist die größte und auch höchste Hut in den gesamten White Mountains. Nach einer schnellen Suppe sind wir aber alle weiter gezogen, da sich um den Gipfel einige dunkle Wolken zusammen gezogen hatten. Diese letzten zwei Meilen waren zwei Dinge: steil und steinig. Und vor diesem letzten Stück warnt ein Schild vor dem schlimmsten Wetter in Amerika. Daran sollte Wuppertal sich vielleicht ein Vorbild nehmen. 😂

Aber auch diese Höhenmeter waren schnell geschafft. Wir waren von dem tollen Vormittag und von der Aussicht gleich auf dem höchsten Berg New Hampshires zu stehen. Mount Washington ist übrigens Rekordhalter bei den schnellsten je gemessenen Winden. Aktuell sind 231 Meilen pro Stunde! Als wir auf dem Gipfel standen, war es windstill. Ein riesiges Glück, da es sonst schnell sehr kalt werden kann. Der Gipfel selbst ist mehr ein Zirkus als alles andere. Eine Zahnradbahn fährt hoch, es gibt Parkplätze zu ein Restaurant. Und eine Warteschlange für das Gipfelfoto. Nach einem kurzen Mittagessen haben wir alle zugesehen schnell hier weg zu kommen.

Nur: wer hoch steigt, der muss auch wieder tief nach unten. Und unser Ziel, die Madison Spring Hut in 5,7 Meilen Entfernung. Der Weg dorthin führte noch über drei weitere Gipfel. Und der Weg war, zumindest für mich, brutal. Unheimlich steinig und zwischendurch auch wieder ordentlich steil. Zeitweise war das auch kein wandern, sondern klettern über Klötzchen.

Gegen kurz vor 18h war ich an der Hut. Meine Knöchel, meine Füße und meine Knie wollten nur noch Ruhe. Und ich habe auch gehofft, in der Hut ein Work for stay oder auch einfach nur einen Platz zum Schlafen (oder zum Zelten direkt dort) zu bekommen. Das gab es aber nicht. Eventuell hätte es die Chance gegeben, das die Hütten Crew nach dem Abendessen doch noch erlaubt hätte, das wir alle dort schlafen dürfen, darauf wollte ich mich aber nicht verlassen. Immerhin sind wir in unserer Gruppe aktuell zu siebt. Und Cherryco und Junco auch nicht. Also haben wir unsere Sachen gepackt und sind weiter gewandert. Unser Ziel: ein Stealth Camp in 1,6 Meilen. Dazu musste noch ein letzter Gipfel bestiegen werden und danach ein 1,1 Meilen langer Abstieg geschafft werden. Und Gerüchten zu Folge soll das der übelste Abstieg in den ganzen Whites sein. Ich würde sagen: das stimmt.

Um 20:10 haben wir dann glücklich, zufrieden und ziemlich erschlagen unser Camp erreicht. Nachdem die Zelte aufgebaut waren, haben wir zusammen noch ein Abendessen gesnackt und sind im 21h ins Bett gegangen.

Heute war ein traumhafter Tag. Viel besser hätte das Wetter nicht sein können. Und die Ausblicke und die Panoramen waren einfach unbeschreiblich!

Veröffentlicht in Juli

2 Kommentare zu „Tag 124: Stealth Camp nach Stealth Camp (1849,0 – 1866,5 Mi)“

  1. Guten Morgen Christian,
    wie kommt es eigentlich, wenn du schon so früh losmarschierst, das andere vor dir schon an Mizpah Spring Hut waren, sind die früher los oder einfach schneller? 🙂
    Ich bin von deinem Block begeistert!!!
    Gruß
    Ralph

    Like

    1. Hallo Ralph,

      das ist ganz einfach: manche sind schneller, manche starten früher und andere überholen mich, weil ich teilweise so viele Fotos mache. 😉
      Also eine Mischung aus vielem.

      Und vielen Dank für Dein Lob, freut mich sehr das Dir mein Blog gefällt.

      Like

Hinterlasse einen Kommentar