22.07.2019 – Tag 120: Ore Hill Campsite nach Lost River Road nach North Woodstock (1786,0 – 1802,6 Mi)

Gestern Nacht hat es sich richtig schön abgekühlt. Und sofort habe ich besser geschlafen. Wobei ich mich heute am liebsten doch noch einmal umgedreht hätte. 😉 Da für heute aber die Besteigung des Mount Moosilauke auf den Programm stand, kam das nicht in Frage. Denn der sieht im Guidebook nach einem echten Biest aus. Und so war ich um 6:55 auch einigermaßen zeitig unterwegs.

Die ersten drei Meilen waren zum wach werden gut geeignet. Nett flach und ohne besondere Hindernisse. Dafür aber mit einer besonderen Begegnung. Auf einmal kam mir ein Hund entgegen und lief auch eine Zeit mit mir mit. Dabei hat er ein GPS-Halsband mit Antenne getragen. Anscheinend ist der Kollege also häufiger mal alleine unterwegs.

Nach 2,7 Meilen war das flache Laufen aber vorbei, und es ging an die Besteigung des Mount Mist. Aus meiner Sicht eher ein Hügel, aber naja. Jedem das seine. 😉 Die 700 Fuß und 1,5 Meilen waren schnell und ohne besondere Highlights geschafft.

Die nächsten anderthalb Stunden (oder 2,6 Meilen) verlief der Trail sanft abwärts rollend. Am Ende erreichte ich die NH 25, bei einer Höhe von 1.043 Fuß. Für die 5,5 Meilen danach gab es nur noch eine Richtung: hoch. Und zwar hoch auf Mount Moosilauke. Mit 4.802 Fuß der erste 4.000er in New Hampshire – und seit Virginia. Der Name leitet sich von der Abenaki-Sprache ab und Bedeutet so viel wie „kahle Stelle“ oder „2am glatten Ort auf dem „Gipfel“.

Das Höhenprofil sah im voraus ganz schön gemein aus. Das war es aber gar nicht. Es war einfach nur eine permanente Steigung. Und drei Stunden am Stück bergauf laufen soll ja auch reichen. 😉 Auf halber Strecke fing es auch noch an zu regnen. Nicht besonders viel, aber mit der Zeit doch genug um alles einzuweichen. Und für den Nachmittag war ein schwerer Sturm angesagt. 😲 Leider war der Weg nicht besonders pittoresk. Oder anders gesagt: er war ziemlich langweilig.

Kurz nach 13h hatte ich den Aufstieg geschafft und stand auf dem eher unattraktiven südlichen Gipfel. Allerdings wurde es von hier aus immer schöner. Und Nebel, Wolken und Nieselregen zum Trotz: so hatte das Ganze eine ganz eigene, tolle Stimmung.

Der nördliche Gipfel war dann ein ganz anderes Kaliber. Bei gutem Wetter hat man von hier aus wohl wunderbare Ausblicke auf Franconia Ridge und Mount Washington! Aber auch mit den Wolken war das sehr ansehnlich. Allerdings auch ziemlich frisch.

Aussicht von Mount Moosilauke

Wer auf einen Berg hoch klettert, der muss auch wieder runter. Und der Abstieg war die eigentliche Herausforderung des Tages. Vor allem da der Boden, und vor allem die Steine und Wurzeln, inzwischen gut eingeweicht und entsprechend rutschig waren. Die zwei Meilen führten einfach nur 800 Fuß abwärts. Nicht besonders viel, und vor allem auch immer wieder durchsetzt von kleineren Aufstiegen. Dafür aber echt schön.

Und mitten in diesem Abstieg dann ein weiterer Meilenstein auf dem Trail. Die 1.800ste Meile!

Danach fing der Abstieg aber erst richtig an. Für die nächste Meile ging es richtig steil bergab, und das für ca. 2.200 Fuß. Immer entlang eines Wasserfalls, bzw. am Anfang sogar ein Stückchen dadurch. Für diese Meilen habe ich über anderthalb Stunden gebraucht. Und dabei habe ich mich drei Mal auf den Hosenboden gesetzt. Ich musste mich dabei so konzentrieren, das ich glatt vergessen habe viele Fotos zu schießen.

Jup, das ist der Trail

Um 16:15 war ich nicht nur am Ende angekommen, sondern richtig durch. Und siehe da, hier warnt ein Schild vor dem anspruchsvollen Weg. Oben gab es das nicht. 😉 Aber recht hat es.

Da inzwischen schon wieder fünf Tage um sind, habe ich mir für heute ein Hotelzimmer gegönnt. Eigentlich wollte ich in einem Hostel übernachten, dem The Notch Hostel. Die letzten richtigen Betten haben mir aber Fumbles und Wildcard vor der Nase weggeschnappt (sie waren vor mir auf Mt. Mist und hatten Empfang) – was musste ich den beiden auch von meiner Idee erzählen. Und per SMS war die Besitzerin echt blöd. Und da hab ich mir ein freundliches schick dich gedacht. 😉 So geht er dahin mein Plan vom Slack packing morgen.
Duschen und Wäsche waschen! Und nach diesem Tag austrocknen. Außerdem brauche ich noch Vorräte für die Whites. Die nächsten 70 Meilen zählen zu den anspruchsvollsten, härtesten und schönsten auf dem ganzen Appalachian Trail.
Der hitch ins Hotel war super einfach. Gerade als ich am Parkplatz ankam, kam auch ein Dayhiker an, der mich mitgenommen hat.

Stattdessen habe ich ein Zimmer im Woodstock Inn & Brewery bekommen. Teurer als das Hostel, aber super schön! Den Abend habe ich zuerst im Laundromat, einem Waschsalon und danach im Brewpub des Hotels verbracht. Der Salat und der Burger waren wirklich gut. Und ich war danach sogar satt. 😁

Mein Bett im Woodstock Inn & Brewery

Jetzt sind noch weniger als 400 Meilen übrig!

Veröffentlicht in Juli

4 Kommentare zu „22.07.2019 – Tag 120: Ore Hill Campsite nach Lost River Road nach North Woodstock (1786,0 – 1802,6 Mi)“

  1. Hallo Christian,
    glaubst Du, Du wirst traurig sein, wenn der Trail zu Ende ist? 🙂 Wahnsinn dass Du das so durchgezogen hast bis hierhin.
    Weiterhin frohes wandern.
    Viele Grüße,
    Torben

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  2. Hallo Bilbo,
    da muss ich Dich doch glatt mal was zu den letzten Tagen fragen:
    Tag 116: Du siehst Deinen „ersten White Blaze“ wieder… ich vermute, es ist die weiße Markierung am Baum? Warum gab es die vorher noch nicht?
    Tag 117: Du schriebst: „ein heißer Tag mit hoher Luftfeuchtigkeit und ständigem Auf und Ab. Ein PUDD.“ Wofür steht PUDD?
    Ich wünsche Dir noch ganz viel Spaß auf dem Trail… und meine Güte – Du siehst manchmal ganz schön fertig aus, aber auch sehr, sehr glücklich und zufrieden! Das freut mich sehr für Dich!
    LG
    Gaby

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    1. Hallo Gaby,

      ja ja, so ist das, wenn man in seiner eigenen Welt lebt. 😉

      Die White Blazes sind die weißen Striche an den Bäumen (oder Steinen), die den Weg markieren. Vorher gab es die nicht, da ich über den Zugangsweg erst wieder zurück musste. Wasser, Shelter, Aussichtspunkte und ähnliches sind mit blauen Blazes markiert.

      PUDs sind Pointless Up and Downs. Und ein PUDD ist dann ein Pointless Up and Down Day. 😁 Also Cardio Intervall Training Par excellance.

      Das mit dem fertig sein liegt meistens an der Kombination von Hitze und Aufstieg. Oder bis zum Hotel in Vermont: an 12 Tagen ohne Wäsche und Dusche. 😉 Aber insgesamt ist es das auf jeden Fall wert!

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