Grundsätzlich habe ich ganz gut geschlafen und es war bei weitem nicht so kalt wie befürchtet. Dafür hatte ich eine Menge Kondensation. Und gegen 23h ist ein Reh in meine Campsite gallopiert gekommen, hat etwas rum getrampelt und etwas Gras gefressen und hat sich dann verzogen. Ich war zwar schon um 4:20 wach, bin aber erst um 5:40 aufgestanden. In meinen letzten Tag bin ich um 6:40 gestartet.

Besonders kalt war es heute morgen nicht, also bin ich mit kurzen Beinen los. Die haben dann auch direkt eine kostenlose Wäsche von all den nassen Büschen bekommen.





Da der Trail bergab verlief, und mir außer dem etwas dichteren Bewuchs keine Steine in den Weg gelegt hat, kam ich sehr gut voran. Ein sehr seltsames Gefühl. Der ruhige, kühle Wald. Kein Mensch in meiner Nähe und das Bewusstsein das eine große Reise gleich zu Ende geht.
Meine Uhr hat mir schon gesagt, dass ich in den nächsten Minuten an der Grenze sein muss. Aber das selbe hat mein Bauch auch gesagt. Und plötzlich habe ich gewusst, dass ich nach der nächsten Kurve am Ziel bin. Und das war ich dann auch.
Am 26.08.2024 um 7:55, nach 132 Tagen und trotz Sperrungen über 2.300 Meilen sowie drei durchwanderten Bundesstaaten der USA war ich am Ziel. Das Grenz Monument 78 und der nördliche Terminus des Pacific Crest Trails!




Das war ein emotional überwältigender Moment! In den ersten Wochen meiner Reise hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal hier stehen würde. Und durch die Feuer stehe ich jetzt zweieinhalb Wochen früher als geplant hier.
Die erste Stunde hatte ich das Monument ganz für mich. In der Zeit habe ich im Trail Logbuch gelesen, eine kleine Belohnung gegessen und ein Sieges Mountain Dew getrunken.
Dann kam Hemingway an. Wir haben uns gratuliert, gegenseitig Fotos gemacht und uns über dies und das unterhalten. Er hat sich dann auf den Weg zurück nach Hart’s Pass gemacht, während ich nach Kanada rein, nach Manning Park gewandert bin.
Bis nach Manning Park sind es 12km. Es fühlt sich fast etwas komisch an, Distanzen plötzlich wieder in metrischen Einheiten zu messen …

Und die ersten drei Kilometer waren eher ungepflegt. Überwachsen, viele Blow Downs und teilweise ausgespült.





Nachdem das überstanden war, ging es noch ungefähr drei Kilometer etwas hoch, bevor ein langer Abstieg über einen Forstweg folgte.



Bergab bin ich teilweise gejoggt. Und so war ich um 12:25 am Manning Park Resort. Hier habe ich mir im Pub ein Mittagessen gegönnt.



Und danach habe ich versucht, nach Vancouver oder nach Hope zu hitchen. Anderthalb Stunden lang ohne Erfolg. Ich wollte schon zurück zum Resort gehen und mir dort für zwei Nächte ein Zimmer buchen (der Bus nach Vancouver fährt nur Samstag und Mittwoch), also doch ein Auto hielt.
Jessy kam gerade von einem Triathlon zurück. Auf der Fahrt haben wir uns prächtig über Reisen und Outdoor Aktivitäten unterhalten. Sie hat mich nach Hope gebracht. Von hier aus fährt morgen ein Bus nach Vancouver.
Angekommen habe ich mir im Blue Moon Cafe einen Espresso und einen Brownie geholt.

Anschließend habe ich mir ein Zimmer im Park Motel gebucht. Und der Besitzer war sehr freundlich. Eigentlich gibt es keine Wäsche im Motel. Als ich Ihm gesagt habe, dass es nur die Kleidung ist die ich trage, da hat er gesagt „das kriegen wir hin“.
Mein Timing war heute richtig gut. Heute Nachmittag ist ein neuer Sturm rein gerollt und selbst hier im Tal hat es den ganzen Nachmittag über geregnet. Die Zeit habe ich genutzt um meine nächsten Tage zu planen.
Abends habe ich mir eine Pizza geholt und war früh schlafen.
G-L-Ü-C-K-W-U-N-S-C-H 👌👏🤠
Ich freue mich sehr für Dich!
LikeLike
Vor vielen Monaten hast du uns vom PCT erzählt. Dann folgten Monate der Planung und dann war es endlich soweit. Vorfreude bei dir und Magengrummeln bei uns. Nach 132 Tagen, viel geflossenem Schweiß und viel Staub bist du nun in Kanada angekommen. Wir gratulieren dir zu 2655,2 gewanderten Meilen!
Wir sind stolz auf dich und freuen uns dich bald wieder in die Arme zu schließen!
Mutti und Rainer
LikeLike