War die vorletzte Nacht die bisher schlimmste auf dem Trail, dann war die vergangene Nacht mit Abstand die Beste. Ich bin um 20:30 eingeschlafen und das erste Mal um 4:00 wieder wach geworden. Und heute Morgen war es so gemütlich, ich hätte am liebsten weiter geschlafen. Aber hilft ja alles nichts…
Um 5:50 bin ich aufgestanden, um 6:45 war ich unterwegs.

Das Wetter war heute fast durchgängig kühl und verhängen. Erst am späten Nachmittag hat es aufgeklart und die Sonne hat sich gezeigt.
Die ersten vier Meilen verlief der Trail am Aqua Caliente Creek entlang. Stein-Sprung-Überquerungen inklusive.

Nach dem warmlaufen hieß es dann: Wasser auffüllen und Berg auf. Die nächste Wasserquelle ist nämlich ein Wasser-Cache bei „Mike’s Place“, bei Meile 127,3 (plus 0,2 hin und zurück).



Gerade zu Beginn des Aufstiegs hatte ich irgendwie Probleme mit meinem Temperatur Management. Nur der Sun-Hoodie war doof, nur das T-Shirt auch, beides zusammen war zu warm. Aber irgendwas ist ja immer. Ich habe mich dann relativ schnell für die Variante T-Shirt plus schneller aufsteigen entschieden. Da war mir dann auch im T-Shirt warm genug.
Unterwegs habe ich mich länger mit The Twins (Tommy) unterhalten. Spannender Bursche. Er hat bis 15 und 16 jeweils einmonatige Outdoor Kurse mitgemacht, komplett ohne Zivilisation. Jetzt wandert er den PCT, Ende des Jahres kommt er für ein Jahr zum studieren nach Deutschland. Und das mit 20. Ich war in dem Alter noch nicht so weit.



Insgesamt waren es fast 700 Höhenmeter bis zu Mike’s Place. Und am liebsten hätte ich dort eine lange Pause gemacht. Zum einen zum durchschnaufen, zum anderen, da ich langsam wirklich hungrig werde. Ich glaube mein Hiker-Hunger setzt ein.
Die Pause ist dann aber deutlich kürzer ausgefallen, als geplant. An den Tanks war es, als würde man in einem Windkanal stehen.


Nach einer verkürzten Pause bin ich, Mal wieder mit 6 schweren Litern Wasser beladen, alleine weiter gewandert. Die anderen haben noch länger Pause gemacht.
Und natürlich ging es von hier aus wieder aufwärts. So kamen noch einmal etwas über 300 Höhenmeter dazu. Der Vorteil war: ich konnte sehen woher ich heute gekommen bin.

Nachdem das hoch geschafft war, kam das ab. Und der Trail war in keinem besonders guten Zustand. Überwachsen, umgefallene Bäume oder auch teilweise ausgespülte Abschnitte. Alles nicht tragisch, aber ich war doch froh, als das Stück geschafft war.

Mein ursprüngliches Ziel war eigentlich eine Campsite bei 131,5. Die war nur leider schon voll. Der einzige schöne Fleck war direkt über einem Ameisennest. Das wollte ich dann doch nicht.
Also bin ich noch eine halbe Meile weiter und habe einen wunderschönen Platz Nähe einem ausgetrockneten Flussbett gefunden.

Später ist noch Thunder aufgetaucht und zeltet in meiner Nähe. Beim Abendessen haben wir uns etwas unterhalten. Er ist den AT letztes Jahr gewandert, da hatten wir einiges an Gesprächsstoff.