Ich habe überraschend gut geschlafen. Das lag aber wahrscheinlich daran, das es komplett dunkel war und kein Licht von außen herein kam. Trotzdem war ich um kurz nach 5h schon wach. Da das Shuttle zum Trail aber erst um 7:10 fuhr, hatte ich einen sehr entspannten Morgen.
Mal so nebenbei: das The Notch Hostel ist echt schön, und die Besitzerin zwar sehr straight aber auch nett. Allerdings ist man hier als „Shelter-Gast“ nur ein Gast zweiter Klasse: kein Frühstück, nur einen Platz im Shuttle wenn nicht zu viele „richtige“ Gäste da sind, nur eingeschränkten Zugang zum Hostel… Das einschränken kann ich verstehen (dafür zahlt man ja auch weniger), es wäre allerdings schön, wenn die Besitzerin einen diesen Unterschied nicht auch noch spüren lassen würde.
Um 7:30 war ich am Wanderparkplatz und konnte von dort die halbe Meile zum Trail zurück laufen. Da bin ich um 7:50 angekommen.

Und da wir im Shuttle zusammen gefahren sind und auch fast das gleiche Tempo haben, bin ich heute fast den ganzen Tag mit Ding Dong, Reset, Hugs (mit seinem Hund Fecto von perFECTO) und Better Together (das Ehepaar Britta und Jim, ein Trailname) zusammen gewandert. Die ersten 2,9 Meilen führten über 2.800 Fuß gleichmäßig steil bergauf. Lang, einfach zu laufen und langweilig.

Und während diesen Aufstiegs schlug immer wieder die Frustration durch, das ich diesen Aufstieg nicht gestern schon gemacht habe. Und mimimi. 😉 Ich habe mich dann dazu entschieden das sein zu lassen, den Tag und das was kommt zu genießen und zumindest in der Presidential Range (die kommenden Meilen werden so genannt, da die meisten Berge nach Ex-Präsidenten benannt sind) die Meilen deutlich zurück zu fahren. Und das was nach dem Aufstieg kam, war einfach nur grandios. Das begann nach einem kurzen Stück durch ein waldiges Stück Ridgeline mit dem 4.800 Fuß hohen Little Haystack Mountain. Und ab hier war ich erst einmal ein ganzes Stück oberhalb der Baumgrenze. 😁

Von dort aus war Mount Lincoln schon zu sehen. Mit 5.089 Fuß der zweithöchste Berg des Tages. Und vor allem: die Ridgeline. DIE Franconia Ridge.

Über die berühmte Franconia Ridge ging es nun hoch auf Mount Lincoln. Diese Ridgeline ist eine von drei Stellen auf dem Trail, von Katahdin am Ende abgesehen, die ich unbedingt sehen wollte. Unglaublich schön und sehr bewegend! Da haben mich noch nicht einmal die Horden von Day-Hikern gestört. 😉



Der Ausblick und die ungestörte Rundumsicht von Mount Lincoln war der Wahnsinn.

Damit fehlte nur noch das letzte Stück hoch auf den 5.254 Fuß hohen Mount Lafayette. Und komischerweise hat es es sogar leichter gemacht, das ich genau sehen konnte, wo ich noch hoch musste.

Pünktlich um 12h waren wir alle oben am Gipfel und haben bei bester Aussicht unsere Mittagspause mehr als genossen.

Von dort führte die Franconia Ridge abwärts und wieder unter die Baumgrenze. Aber nicht, ohne vorher noch mit ein paar spektakulären Ausblicken zu punkten.




Der nachfolgende Abstieg war typisch New Hampshire. Steil und nur langsam zu gehen.

Unten angekommen folgte direkt der nächste Aufstieg auf Mount Garfield. 800 Fuß über 0,6 Meilen. Sah auf dem Papier nicht so schlimm aus, aber in Echt hatte der es richtig in sich.

Dafür war die Aussicht vom 4.453 Fuß hohen Gipfel dann wieder sehr ordentlich. Hier hat früher wohl mal ein Firetower gestanden. Davon ist jetzt leider nur noch das Fundament da.

Vor den Whites wären die letzten 3,1 Meilen, die für heute noch anstanden, etwa 1 1/2 Stunden, wenn überhaupt, gewesen. Heute waren es noch ganze drei Stunden, bis zur Galehead Hut. Dabei verlief der Trail durch einen Bach (natürlich steil abwärts), durch Matsch und über Stock und Stein und teilweise ordentliche Stücke steile Felsplatten hinauf.



Um kurz nach 18h war ich an der Hut. Und wer sitzt da draußen auf der Bank? Juncko und Cheery-O! Mit den beiden hatte ich die letzten Tage immer wieder Mal geschrieben und wir hatten gehofft, das wir uns wieder treffen würden! Also haben wir erstmal eine ganze Zeit gequatscht. Ich habe mich riesig gefreut, die beiden nach so langer Zeit (das letzte Mal ja kurz in Harpers Ferry) wieder zu sehen!

Um nicht so viel Wasser schleppen zu müssen, habe ich hier mein Abendessen gekocht. Ich wäre auch gerne geblieben, aber die Work for stay Plätze waren schon alle belegt. Also habe ich nach dem Essen meine Sachen wieder eingepackt und bin fünf Minuten bis zur Stealth Campsite weiter gewandert. Hier habe ich dann bei einigen Snacks noch mit den anderen zusammen gesessen, bevor ich mich in mein Zelt verzogen habe.

Alles in allem ein unglaublich toller und schöner Tag. Die Berge heute und Franconia Ridge waren einfach unglaublich und genau so toll, wie ich es mir erhofft hatte! Und das ich mit dem Wetter heute so ein Glück hatte, das ist einfach unglaublich!