23.07.2019 – Tag 121: Lost River Road nach Franconia Notch nach North Woodstock (1802,6 – 1818,9 Mi)

Das Hotelzimmer war wunderbar ruhig und gemütlich. Und das Frühstück im Hotel war super! Leider gab es das „erst“ ab 7h. Aber es hat sich gelohnt – eins der besten Frühstücke die ich auf dem Trail bisher hatte!

Und so bin ich erst spät wieder los und zurück auf den Trail gekommen. Um 8:40 war ich per Taxi zurück. Und da heute Mount Kinsman und eigentlich auch der erste Teil der Besteigung hoch zur Franconia Ridge geplant ist, wird das heute wohl ein sportlicher Tag …

Und sofort begann der Aufstieg. Es hatte die ganze Nacht über geregnet und es nieselte immer noch. Mit Blick auf das Höhenprofil habe ich meine Regenjacke aber doch Recht schnell ausgezogen. Das war auch gut so, denn die 800 Fuß auf 0,7 Meilen waren auch so schon warm (und ich danach nass) genug.

So aufgewärmt konnte ich mich an den nächsten Aufstieg wagen. Die folgenden 3,9 Meilen führten nur noch 800 Fuß hoch auf Mount Wolf. Das klingt nicht nach viel. Der Trail hatte es aber in sich. Ständige Höhenwechsel, nasse Wurzeln und Steine, und vor allem viel Matsch und kleine Seen mitten auf dem Trail.

Gerade der Matsch und die rutschigen Stellen haben mich enorm verlangsamt. Erschwerend kommt hinzu, das der Gipfel sehr enttäuschend war.

Komplett mit Bäumen bewachsen und daher mit Null Aussicht. Also keine Pause und direkt weiter zum Abstieg. Der war, wie auch schon der gestrige, steil und heute besonders schlüpfrig.

Daher war ich auch besonders froh, als ich gegen 13h im Tal und beim Eliza Brook ankam. Hier habe ich eine Pause gemacht, mein Wasser aufgefüllt und mich für die nun folgende Besteigung des Mount Kinsman zu wappnen. Der führte über 4,5 Meilen über 2.000 Fuß nach oben, auf 4.358 Fuß Höhe. Die ersten 0,8 Meilen dieses Aufstiegs führten am Eliza Brook entlang, der auf seinem Weg nach unten hier mehrere Wasserfälle bildet.

Hier war es wieder das gleiche wie schon heute morgen, nur in steiler. Insgesamt war es heute zwar nicht so anstrengend (aber immer noch genug 😉), allerdings war die Steigung und das Terrain sehr fordernd. Und das führte dazu, das ich so langsam war wie lange nicht mehr.

Ab hier habe ich einige Slackpacker getroffen, die im Notch Hostel übernachtet hatten (da hatte ich gestern keinen Platz mehr bekommen). Und die haben mir erzählt, dass da anscheinend zwei andere Deutsche aus Hamburg übernachten würden. Die hätte ich doch sicher schon getroffen?

Aber das alles war der Ausblick vom Gipfel mehr als wert!

South Mount Kinsmen (4.358 Fuß)

Und ein Stückchen unterhalb des Gipfels war es sogar noch besser! Von hier aus war die Sicht perfekt auf die folgenden Gipfel, die ich morgen und übermorgen bewandern werde: allen voran Franconia Ridge und Mount Lafayette!

Blick auf Mount Lafayette und Franconia Ridge

Warum nur musste darauf dieser Abstieg folgen? Schon in den ersten 0,6 Meilen gingen über 800 Fuß verloren. Und insgesamt waren es über 3.000 Fuß (also knapp 1.000 Höhenmeter).

Erst um kurz nach 17h war ich an der Lonesome Lake Hut. Die Huts in den White Mountains sind mit Alpenvereins Hütten vergleichbar. Nur teurer. Viel teurer. Eine Nacht (im Schlafsaal) kostet ab 150$. Thru-Hiker haben hier die Möglichkeit, durch ein Work for stay kostenlos zu übernachten und essen zu bekommen.

Ich war so gefrustet von meinem Tempo, das ich mir schon überlegt habe, ob ich nicht bleiben soll. Und als ich in der Hut nach Wasser gefragt habe, hat mich die Hütten Croo (<- so nennen sich die Crews dort selbst) schon freudig-fragend angeschaut. Mein Work-for-stay hätte ich hier sicher machen können. Meine eigentlichen Tagespläne hatte ich schon beerdigt. Hier zu bleiben hätte allerdings alle meine Pläne für die nächsten Tage über den Haufen geworfen. Also weiter abwärts Richtung Tal. Und hoffen, dass das Hostel heute einen Platz für mich frei hat.

Der Weg nach der Hut war erst noch steinig und unangenehm zu laufen, später aber schon fast eine Autobahn.

Um 19h war ich endlich im Tal und völlig fertig. Also habe ich im Hostel angerufen. Ein Bett war nicht mehr frei, dafür aber ein Platz im eigenen „Shelter“. Eine Matratze, eine Dusche, eine Pizza und Strom. Und morgen früh ein Shuttle zurück zum Trail. Was will ich mehr?

Also habe ich mir ein Shuttle gerufen und als Ort zum abholen einen Parkplatz vereinbart. Da dachte ich noch, dass der quasi direkt an meiner Position ist. Aber Pustekuchen: der war noch ca. eine Meile entfernt! Also bin ich bis zum Parkplatz gejoggt (von wegen fertig und so ;)). Die entgegenkommenden Tageswanderer müssen mich für verrückt gehalten haben, wie ich mit vollem Marschgepäck und Wanderstöcken in der Hand da lang gelaufen bin. Als ich dann (mit Verspätung) am Parkplatz ankam, fuhr gerade das Shuttle auf den Parkplatz. Sie hatte Ihre Schlüssel verlegt und musste die erst noch suchen und entschuldigte sich bei mir für die Verspätung. 🙂 Manchmal passt es einfach.

The Notch Hostel
Der „Shelter“ des Notch Hostels von innen
Der Shelter von außen

Auch davon ab hat sich die Übernachtung im The Notch Hostel gelohnt: hier habe ich endlich Ding Dong und Reset getroffen, zwei Deutsche Thru-Hiker aus Hamburg (Vater und Tochter). Es war schön nach so langer Zeit noch einmal Deutsch sprechen zu können. 😉 Und ich glaube Reset hat das auch gut getan.

Veröffentlicht in Juli

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