20.07.2019 – Tag 118: Happy Hill Shelter nach Trapper John Shelter (1744,0 – 1766,5 Mi)

Letzte Nacht war es einfach zu heiß. Als ich heute morgen um 5h aufgestanden bin, da waren es immer noch über 23°. Das frühe Aufstehen hat aber auch nicht geholfen, da ich extrem getrödelt und später noch mit den SoBos geredet habe, die im Shelter übernachtet haben. Um 7h war ich wieder zurück auf dem Trail.

Das erste Zwischenziel für heute ist das etwa fünf Meilen entfernte Hanover. Das liegt ungefähr 900 Fuß tiefer als der Shelter. Am Anfang ging es ganz leicht Richtung Tal, bevor es zum Ende hin etwas steiler wurde.

Hanover ist eine sogenannte Trail Stadt, das bedeutet, der Trail verläuft direkt durch die Stadt, ohne das man einen Umweg laufen muss. Der Weg nach Hanover führt über die Elm Street durch Norwich. Und aufwärts wäre das sicher auch ein Nightmare on Elm Street. Für mich war es genau das Gegenteil: die meiste Zeit über abwärts und direkt zwei Mal Trail Magic: zuerst Sodas und Kuchen, kurz danach eiskaltes Wasser und Müsliriegel. Und eine (lange!) Liste mit Trail Angeln lag auch aus.

Um endgültig nach Hanover, übrigens die Heimat des Dartmouth Colleges, zu kommen, muss erst noch der Connecticut River überquert werden. Und der ist die Grenze zwischen Vermont und New Hampshire! Gerüchten zufolge kommt ab hier mein alter Freund Pareto zum Tragen. Angeblich sind bis hier 80% des Wegs, aber nur 20% des Aufwands geschafft. Wir werden sehen. 😎

Der Zivilisation sei Dank hatte ich hier auch Empfang – und so konnte ich die vorletzte Grenze zusammen mit meiner Familie überschreiten. Das war schon sehr besonders!

Hanover ist eine unglaublich Hiker freundliche Stadt. Im College kann man normalerweise duschen und Waschen, es gibt unzählige Trail Angel, bei denen man umsonst übernachten kann und die Geschäfte unterstützen die Thru-Hiker auch. Zu dem hervorragenden Frühstück bei Lou’s gab es noch umsonst einen Donut dazu. Und die Bedienung hat mich noch mit echtem Ahornsirup verwöhnt. Viel viel besser als das künstliche Zeug! An der öffentlichen Bücherei habe ich das freie WLAN und die Außen-Steckdose genutzt. Und bei Ramunto’s Pizzaria gibt es für jeden Hiker ein Stück Pizza umsonst. Eine schöne Ergänzung zu den Stücken die ich mir so noch gekauft habe. 🙂 Damit war das Abendessen auch gerettet. Und zu guter Letzt hat mir die freundliche Kassiererin noch den Treuerabatt gegeben. Davon ab ist das ein super süßes, aber auch teures Studentenstädtchen. Und ich war echt versucht hier zumindest einen Nearo einzulegen.

Auf dem Boden neben den Außensteckdosen sitzen und das Handy laden – Hiker Trash live

Im Supermarkt gab es sogar mein liebstes Mineralwasser aus der Eifel in Deutschland – sogar in einer Glasflasche. Was soll ich sagen? Klares Wasser aus einem Gebirgsbach schmeckt besser …

Und so habe ich auch viel mehr Zeit in Hanover verbracht, als ich es eigentlich gewollt hatte. Erst um 13h bin ich weiter gewandert. Die ersten Schritte in den Wäldern von New Hampshire. Und wie sollte es auch anders sein, wenn man in einem Tal ist und man will raus, dann geht es aufwärts. Zuerst einmal „nur“ 500 Fuß auf Velvet Rocks. Aber die zeigen schon Mal, worauf ich mich die nächsten Tage freuen kann: wunderschöne Wälder und richtig steile Anstiege. Ich glaube ich muss mich bei Vermont entschuldigen. So steil war das im Vergleich gar nicht. 😉

Nachdem dieser erste Hügel überwunden war, ging es weiter nach oben. Die ersten vier Meilen mit leichter Steigung. Die letzten 1,6 hoch auf den südlichen Gipfel von Moose Mountain schweißtreibend steil.

Um 16:15 war ich oben. Und komplett nass. Hatte ich schon erwähnt, das es für Heute und Morgen eine Hitzewarnung gibt und man möglichst drinnen bleiben, oder zumindest keinen Sport machen soll? Wenn ich durch Wiesen gewandert bin war es so schwül-heiß, dass meine Brille beschlagen ist.

Keine Meile später kam der Moose Mountain Shelter. Da das Wasser hier aber eine Katastrophe, und es auch noch zu früh am Tag war, bin ich weiter gewandert. Mein Ziel: der ungefähr sechs Meilen entfernte Trapper John Shelter. Dazu hieß es, über die Ridgeline des Moose Mountain und dessen nördlichen Gipfel ins Tal absteigen, bevor der nächste 1.000 Fuß Anstieg gemeistert werden will.

Kurz bevor der Aufstieg begann, habe ich endlich nochmal Wildlife gesehen: ein Koyote! Wir haben uns gegenseitig beobachtet, bevor er sich davon gemacht hat. Gerade als ich ein Foto machen wollte, hat er sich leider aus dem Staub gemacht. Trotzdem sehr cool!

Um 19:20 war ich auf dem letzten Gipfel des Tages. Und auch ziemlich froh darüber. Ich war müde, komplett verschwitzt und die Mücken haben mich wieder fast um den Verstand gebracht. Außerdem donnerte es in Hintergrund mehrmals. Aber geregnet hat es zum Glück nicht.

Die Aussicht von Holts Ledge

Als ich dann um 19:40 am Shelter war, war ich heil froh. Also habe ich schnell mein Zelt aufgebaut, mich im Bach gewaschen und konnte danach mückensicher meine Pizza genießen. Bis allerdings der Blog fertig war, war es halb zehn. Eigentlich viel zu spät. Aber wenn ich heute nichts schreibe, dann wahrscheinlich gar nicht mehr. Und das will ich ja nun auch nicht…

Veröffentlicht in Juli

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