16.07.2019 – Tag 114: Clarendon Shelter nach Sherburne Pass Trail nach Inn at the Longtrail (1686,3 – 1704,9 Mi)

Nachdem ich gestern Abend viel Ruhezeit im Camp hatte, war ich heute morgen gut ausgeruht und bin wieder um 5:30 aufgestanden. Unglaublich, das ich das mal von alleine und ohne Wecker – und freiwillig! – mache. Und heute morgen war ich wieder ziemlich hungrig. Dumm nur, das meine Vorräte trotz aufstocken in Manchester Center, so gut wie aufgebraucht waren. Nach einem Müsliriegel und einer Tafel Schokolade war ich um 6:50 zurück auf dem Trail.

Der Tag heute stand ganz im Namen des Aufstiegs. Insbesondere des Aufstiegs hoch auf Mount Killington. Über 2.500 Fuß und im Guidebook ziemlich beeindruckend.
Direkt die ersten Meter führten 500 Fuß über 0,5 Meilen hoch. Allerdings ohne die Steinbrocken von gestern Abend, dafür mit Ausblick auf den unten langfließenden Fluss. Danach gab es eine kurze Ridgeline, bevor es geschwungen ins Tal und damit auf den kommenden großen Aufstieg zu ging.

Und dann hing da, einfach so, auf einmal ein kleines Schild an einem Baum. Wahnsinn!

Inzwischen knurrte mein Magen ziemlich, und auch die zwei Riegel halfen kaum dagegen. Und so hatte ich mir überlegt, am nächsten Shelter eine Pause zu machen und meine Trailmix Vorräte ordentlich zu dezimieren. Aber: the trail provides! Kurz vor dem Shelter habe ich den Upper Cold River überquert, als da plötzlich ein Tisch am Straßenrand stand. Der gehörte Jim und Sally, die seit dem Thru-Hike Ihres Sohnes vor ein paar Jahren regelmäßig Trail Magic veranstalten. Und die Bagel, der Obstsalat, Kuchen, Kaffee und die Cookies kamen gerade Recht. Danach ging es mir richtig gut. Vielen Dank dafür!

Und die Stärkung war absolut wichtig, denn jetzt kam Mount Killington. Ein Anstieg über 2.600 Fuß und vier Meilen hoch auf über 3.900 Fuß. Eine echte Ansage. Aber der Aufstieg war nicht nur nicht schlimm, er war ganz im Gegenteil Traumhaft! Er war zwar lang, dafür fühlte ich mich über lange Teile aber auch wie im Märchenwald. Einfach unglaublich schön!

Nach weniger als der Hälfte des Wegs nach oben lag der Governor Clement Shelter. Für mehr als einen Schluck Wasser habe ich mir hier aber keine Zeit gelassen. Dafür war ich zu sehr im Fluss.

Governor Clement Shelter

Um 12:15 war der Aufstieg geschafft und Mount Killington bezwungen. Am Cooper Lodge Shelter habe ich eine kurze Pause gemacht. Der ist einer der vollständig ummauerten Shelter auf dem ganzen Trail.

Cooper Lodge Shelter

Von dem tollen Aufstieg war ich so beflügelt, das es mich da nicht lange gehalten hat. Die nächsten Meter abwärts bin ich fast (naja, nicht nur fast) gejoggt. Ein paar Day-Hiker die mir entgegen kamen müssen mich für ziemlich bekloppt gehalten haben. 😉 Gefühlt war der lange Abstieg aber schlimmer als der Weg hoch. Vor allem weil es leicht zu regnen anfing und die Steine und Wurzeln dadurch doch etwas rutschig wurden.

Etwa anderthalb Stunden nachdem ich mit dem Weg ins Tal begonnen hatte, habe ich einen weiteren Meilenstein überschritten. 1.700 Meilen sind geschafft!

Circa zwei Stunden später war ich an der Maine Junction. Hier trennen sich der Appalachian und der Long Trail wieder auf. Für mich heißt das, dass der Trail die nächsten Tage wohl wieder leerer wird.

Von dort aus war es nun auch nicht mehr weit bis zu meinem Tagesziel. Einem Seitentrail hin zum Inn at the Longtrail. Dieses Stück bin ich zusammen mit einer Section Hikerin gewandert, die ich dort getroffen habe. Zuerst bin ich alleine schnell weiter, weil ich schnell ins Hotel wollte. Dann ist mir aber aufgefallen, das sie ziemlich müde aussah und wirkte. Also habe ich mich zurückfallen lassen, und habe auf sie gewartet. Im Gespräch sind Ihr die letzten Meilen glaube ich deutlich leichter gefallen.

In dem Hotel werde ich mir nämlich einen Zero gönnen. Und den habe ich mir nach den vielen Tagen auf dem Trail jetzt auch redlich verdient. Vom nötig sein ganz zu schweigen. Inzwischen bin ich mir fies vor mir selbst und meinen Sachen.

Die 0,5 Meilen bis dorthin gingen allerdings ziemlich abwärts. Da freue ich mich schon wieder auf den Aufstieg am Donnerstag. 😉

Im Hotel haben wir die Ankunft mit einem Siegerbierchen gefeiert, bevor sie mit dem Bus weiter in die Stadt und ich auf mein Zimmer bin. Da habe ich mich nach 11 Tagen das erste Mal wieder richtig gewaschen und geduscht – was tat das gut!

Den Abend habe ich mit einer Menge essen an der Hotelbar verbracht: ein großer Salat, ein Burger, ein Stück Schokoladenkuchen und später noch eine halbe Portion Nachos von einem anderen Hiker. Hier habe ich mich auch gut mit Footloose, einem SoBo unterhalten. Er hat mir unter anderem ein paar gute Tipps für die anstehenden Whites in New Hampshire gegeben.

Und zu guter Letzt: jetzt sind es weniger als 500 Meilen bis Katahdin! Wohoo!

Veröffentlicht in Juli

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