11.07.2019 – Tag 109: Cheshire nach Seth Warner Shelter (1579,8 – 1601,3 Mi)

Heute morgen bin ich geweckt worden. Um 4:45. Von lauter Techno Musik. Und das dauerte eine ganze Stunde. Anscheinend ist da gegenüber ein Fitness/Aerobic Center. Zumindest hörten sich die Anfeuerungsrufe so an… Um 5:30 bin ich aufgestanden.

Sonnenaufgang über Cheshire

So richtig los wollte ich heute morgen nicht, da Regen angesagt war und zwei echt fiese Anstiege vor mir lagen. Trotzdem war ich um 6:40 schon wieder unterwegs.

Zuerst musste ich eine halbe Meile aus der Stadt raus wandern, bevor ich wieder im Wald war. Und damit stand auch direkt der erste Aufstieg bevor. 2.500 Fuß hoch auf Mount Greylock, den höchsten Berg Massachusetts. Die sind über 6,7 Meilen zwei steile und ein nicht ganz so steiler Aufstieg.

Der Legende nach hatte der Begründer des Appalachian Trails hier die Inspiration für eben diesen. Und im Herbst findet hier immer die Ehrung der 2000-Milers statt. So richtig mit festlicher Überreichung einer Urkunde.

Insgesamt habe ich für diese ersten 8,3 Meilen 3:40h gebraucht. Eine sehr ordentliche Zeit. Allerdings war ich danach auch schon wieder etwas müde. Besser wäre gewesen, ich wäre etwas langsamer gelaufen. Aber wie das nun Mal so ist wenn Regen droht, wollte ich so schnell so weit wie möglich kommen. Wobei das auch Unsinn ist. Egal ob fünf Minuten oder fünf Stunden harter Regen: nass ist nass.

Auf dem Gipfel angekommen war es zwar etwas windig, aber trocken. Der Gipfel wird durch ein Kriegsdenkmal geschmückt. Und direkt daneben befindet sich die Bascom Lodge. Hier kann man entweder übernachten, oder aber einfach nur im Restaurant essen. Und ich war genau zeitig um10:25 da. Fünf Minuten später, und es hätte kein Frühstück mehr gegeben. So konnte ich mich aber mit etwas leckerem für den Aufstieg belohnen.
Hier habe ich auch Tiffany getroffen. Einen (männlichen) Thru-Hiker und Ultra-Runner, der den Trail in 80 Tagen wandert. Wahnsinn!

Auf dem Gipfel von Mount Greylock ist eine 3D-Reliefkarte der Umgebung. Und anscheinend war einer meiner Vorfahren hier und hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ungefähr eine dreiviertel Stunde später bin ich weiter gewandert. Immer in der Erwartung, das es gleich ordentlich zu regnen anfängt.
Der Abstieg ins Tal in das Städtchen North Adams war zwar lang, aber hier waren die 2.500 Fuß irgendwie besser verteilt. 😉

Um 14h bin ich in North Adams eingelaufen. Und endlich war es soweit – es fing an zu regnen. Naja, zu nieseln. Eigentlich hat sich nur die Luftfeuchtigkeit ordentlich erhöht. Eine halbe Stunde später war ich wieder im Wald und der Regen vorbei.

Der nächste Aufstieg stand damit auch an. Und zuerst sah es auch so aus, als ob die 2,7 Meilen und 1.500 Fuß gar nicht so schlimm wären.

Aber er hat sich gezogen, und wie. Dazu die Luftfeuchtigkeit. Und – schön fand ich es auch nicht. Wobei das auch daran liegen kann, das ich inzwischen schon fast erschöpft war. Als ich dann das Schild für eine Schlechtwetter Umgehung gesehen habe, da habe ich doch geahnt, was da auf mich zukommt. Die nächste halbe Stunde habe ich mich langsam aber stetig hoch geschwitzt, äh geschleppt.
Das war echt knackig.

Die nächste Meile verlief sanft aufwärts und war nett zu wandern. Und dann war sie endlich da: die Grenze nach Vermont. Der 12te von 14 Bundesstaaten! Und ab hier verlaufen der Appalachian Trail und der Vermont Long Trail für ca. 100 Meilen parallel.

Anschließend verlief der Trail entlang der Ridgeline auf und ab. Und nur 1,5 Meilen später: der Meilenstein der 1.600 Meile! 😎

Danach waren es nur noch 1,3 Meilen bis zum Shelter. Und ich hatte auch keine Lust mehr. Vor allem hat Vermont schon Mal gezeigt, warum es den Spitznamen VerMUD trägt.

Um 17:45 bin ich, immer noch im trockenen beim Shelter angekommen und habe so schnell wie möglich mein Lager aufgeschlagen. Ich muss echt anfangen, mich nicht von potentiellem Regen so antreiben zu lassen. Dadurch laufe ich viel zu schnell und mache mich nur selbst fertig. Und es ist ja nicht so, als würde ich mit Nässe nicht klar kommen. 😉

Da ich am Shelter ein paar andere Hiker (alles Long Trail Hiker, wie sich dann gezeigt hat) gehört habe, habe ich meine Kochsachen genommen um dort zu kochen und essen und mich mit Ihnen zu unterhalten. Aber ich hatte noch nicht richtig angefangen, da fing es an zu regnen. Und mein Vorzelt war noch offen! Also habe ich mir schnellstens meine Sachen geschnappt und bin zu meinem Zelt gesprintet. Dort habe ich auch gegessen. Eine gute Entscheidung, denn in den nächsten anderthalb Stunden wäre ich nur komplett durchnässt in mein, bis dahin wahrscheinlich komplett durchnässtes Zelt zurück gekommen.

Um 20h war ich mit Essen, spülen und Blog schreiben dann fertig und konnte endlich meinen Feierabend genießen.

Noch weniger als 600 Meilen bis zum Ziel.

Veröffentlicht in Juli

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