Die erste Nacht auf der neuen Isomatte war gar nicht schlecht. Ich habe sofort nachdem die Matte im Zelt lag schon einen deutlichen Temperaturunterschied gemerkt. Wenn ich nur nicht ständig seitlich weg gerollt wäre. Und es hat ziemlich stark und lange geregnet. Aber für den Moment war mir das egal, ich lag ja im trockenen.
Ich war gerade aufgestanden, als sich um 5:40 dann Two Fingers von mir verabschiedet hat. Er wird um 11h von seiner Mutter an einer Straße ca. 11,4 Meilen entfernt abgeholt.
Wir haben besprochen, dass ich da seine Mutter kennen Pam lernen soll (und will!). Sie ist wohl auch schon ganz wild darauf den Verrückten kennen zulernen, der die ganze Zeit mit Ihrem Sohn durch die Berge rennt. 😉 Er muss zu einer Hochzeit und kommt dann in fünf Tagen wieder. Hoffentlich holt er wieder auf! Ein gutes hat das aber: zu Hause braucht er sein Propangas nicht, also habe ich mir seines geschnorrt. Ihm Thru Hiker Slang nennt man das yogiing (von dem Yogi-Bär aus den Cartoons).
Bevor ich starten konnte, stand aber erst noch eine ganz besondere Überwindung an: rein in die nassen Sachen von gestern.🤮 Immerhin soll es heute wieder ordentlich regnen, und da muss ich mir die letzten trockenen Sachen nicht auch noch versauen. Wenn man die Sachen einmal an hat und unterwegs ist, dann ist das aber gar nicht mehr so schlimm.
Um 6:40 war ich auch unterwegs und habe Vollgas gegeben, um zeitig da zu sein.

So einfach wollte der Trail es mir aber nicht machen. Zuerst hat er es mit tiefen Pfützen versucht. Da Schuhe und Socken aber eh noch klitsch nass waren, bin ich einfach durch.


Danach folgte ein Aufstieg über 1000 Höhenfuß hoch auf die Ridgeline. Der war angenehm zu gehen. Und danach war mir dann auch endgültig warm.

Auf dieser Ridgeline werde ich heute und zum Teil auch noch morgen bleiben.

Anscheinend wollte der Trail es mir heute echt schwer machen. Kaum waren der Aufstieg und der Schlamm geschafft, da kamen die Steine. Noch schön nass und rutschig vom Regen gestern Nacht. Und die ganze Zeit über hatte ich im Hinterkopf: Du MUSST bis 11h an dieser Straße sein! Was ist, wenn Sie dann weg sind? Du MUSST Gas geben!


Nachdem die ersten großen Brocken geschafft waren, wurden sie kleiner.

Dafür war die letzte Stunde bis zum Treffpunkt extra leicht zu laufen. Ein flacher und Forstweg, der auch noch ganz gut in Schuss war.

Nichtsdestotrotz war ich ziemlich am prusten, als ich endlich da war. Two Fingers Mutter hat mich sehr herzlich begrüßt – und sie hatte eine Überraschung dabei. Trail Magic! Während des Essens haben wir uns gut unterhalten. Und natürlich wären die beiden nie gefahren, ohne Hallo und Tschüss zu sagen.
Und auch wenn Two Fingers wieder kommt und hoffentlich aufholt, diese Trennung war nicht einfach und schon ziemlich emotional für mich. Immerhin wandern wir jetzt seit über 1.000 Meilen zusammen und sind sogar am selben Tag gestartet. Solche Trail Freundschaften werden sehr schnell sehr eng und nach dem Abschied war mir schon eng ums Herzchen.

Danach bin ich alleine und wesentlich langsamer als zuvor weiter gewandert. Immerhin hatte ich schon fast 12 Meilen geschafft. Und zuerst schien es, als ob der Trail brav bleiben würde. Ein relativ angenehm zu laufender Trail und zahmes Wildleben.


Danach folgte eine Klettereinlage über Knife’s Edge. Wandern war das nicht mehr. Und ich war sehr froh, das die Felsen wenigstens etwas abtrocknen konnten und der Donner im Hintergrund sich noch nicht in Regen entladen hat. Entspannt wandern ist trotzdem anders. Vor allem brauchte ich dabei für eine halbe Meile ungefähr eine halbe Stunde.



Danach folgte eine kurze „Entspannung“, bevor es gleich wieder weiter ging. Diesmal mit Bear Rocks. Und die waren noch sportlicher.



Zum Glück hat es erst nach Bear Rocks angefangen zu regnen. Das im Regen wäre schon fast grenzwertig.
Nichtsdestotrotz ist das Wetter Glück im Unglück: bei schönem Wetter wimmelt es hier nämlich vor Schlangen. Und schon mehr als ein Hiker ist hier von einem rasseln irgendwo gebremst worden.
Nur wenig später war ich am Bake Oven Knob Shelter. Und inzwischen war es kurz vor 16h. Also habe ich entschieden hier Wasser für mein Nachtlager zu fassen und irgendwann gegen 17h bei der ersten netten Campsite für heute Schluss zu machen.


Um 16:45 war es soweit: Eine nette Campsite, sich androhender Regen und ich war auch schon ziemlich fertig. Der Sprint am Morgen, der Abschied von Two Fingers, das Klettern und die ganzen Steine (und ein bißchen zu gute Verdauung durch den emotionalen Stress) – das macht ziemlich müde. Ich bin trocken ins Zelt gekommen und hatte abends Mal richtig lange Zeit zum Nichtstun. 😎 Das waren heute hart erarbeitete 20 Meilen…