06.06.2019 – Tag 74: Rod Hollow Shelter nach David Lesser Memorial Shelter (995,1 – 1016,2 Mi)

Nachdem die letzten beiden Tage ja wirklich anstrengend waren und ich für heute „nur“ 21 Meilen geplant hatte, habe ich mir heute morgen wieder schön Zeit gelassen. Alles in allem bin ich von einem relativ entspannten Tag mit einigen Highlights ausgegangen. So kann man sich irren…

Guter Dinge und mit guter Laune bin ich um 8h los gewandert.

Nach den ersten paar Schritten habe ich aber schon gemerkt , das es zwar gut läuft, mein ganzer Körper aber etwas erschöpft ist. Und das trotz doppeltem Frühstück. Warum nur? Waren doch nur 70+Meilen in den letzten 3 Tagen. 😉
Aber genau deshalb wollte ich ja heute auch unbedingt zu diesem einen Shelter: um morgen möglichst früh in Harper’s Ferry zu sein um meinen Zero einzuläuten.

Schon nach 0,4 Meilen begann eines der „Highlights“ des Tages. Der Roller Coaster: ein ungefähr 14 Meilen langer Abschnitt, der dicht mit Auf- und Abstiegen (ca. 3.800 Fuß) vollgepackt ist und einfach immer nur die Berge direkt hoch geht. Und der Zustands des Trails ist dabei, sagen wir einfach mal zweifelhaft. Der Roller Coaster ist von vielen gefürchtet und nur von wenigen belächelt. Und gerade die schlaueren unter den Thru-Hikern teilen sich den Weg so auf, das sie in der Mitte übernachten und nicht in einem durchziehen. Also nicht so wie ich. 😉

Der „Einstieg“ in den Roller Coaster

So hat es auch 2,5h gedauert die ersten 4,9 Meilen zum nächsten wirklich epischen Meilenstein zu wandern: der Meile 1.000! Das ist zwei Mal der Jakobsweg oder einmal Hamburg – München und zurück! Ein echt unglaubliches Gefühl.😁

Hervorragend motiviert bin ich weiter gewandert. Mein nächstes Zwischenziel sollte eine Belohnung sein. Ein Mittagessen in einem Restaurant nahe dem Trail. Und das nur noch 5,6 Meilen entfernt. Also normalerweise etwas über zwei Stunden. Und jetzt hat der Rollercoaster zugeschlagen.

Um kurz vor 14h bin ich endlich an der richtigen Straße angekommen. Also bin ich frohen Mutes die 0,3 Meilen an der zweispurigen Bundesstraße entlang marschiert. Immerhin stand ein Burger mit Milchshake in Aussicht! Dumm nur, das ich die falsche Straße entlang gelaufen bin. Nach 20 Minuten habe ich meinen Fehler bemerkt und bin zurück zum Anfang. Insgesamt 40 Minuten und vermutlich 2 Meilen in der prallen Sonne, kein Burger und immer noch über 10 Meilen zu wandern.
Hätte ich das geahnt, dann hätte ich mir vorher am Bears Den Hostel wohl eine Erfrischung gegönnt.

Und die nächsten Meilen wurden nicht einfacher. Eher im Gegenteil, da es auch immer schwüler wurde.

Der Trail Bauer muss eine ausgeprägte sadistische Ader haben. Äußerst steile Anstiege, jede Menge Wurzeln und Steinen und zwischendrin auch immer wieder einmal ganze Steinfelder. Heute haben alle nur noch gekeucht und geschwitzt. Heute habe ich gewusst das ich auf dem richtigen Weg bin, wenn ich auf dem schlimmsten und schwierigsten Stück in Sichtweite war.

Und über all dieses schwitzen habe ich wortwörtlich den nächsten Meilenstein verschwitzt. Ich habe nämlich nur noch auf meine Füße geschaut: die Meile 1008,1 ist nämlich die Grenze zwischen Virginia und West Virginia. Morgen springe ich noch einmal zwischen den beiden Staaten, bevor Virginia endlich geschafft ist!

Danach war auch der Roller Coaster endlich geschafft. Das schönste Zitat dazu lautet: Und was hat Dir am Roller Coaster am besten gefallen? – Nichts! Allerdings waren danach auch immer noch über 8 Meilen zu wandern und es war schon nach 16h. Ziemlich müde, allerdings Dank etwas einfacherem Terrain deutlich schneller, bin ich weiter. Ungefähr fünf Meilen vor dem Ziel habe ich Free getroffen und wir sind gemeinsam weiter bis zum Shelter. Geteiltes Leid ist halt auch beim Wandern halbes Leid.
Unterwegs haben wir in direkter Trail nähe auch noch ein Reh gesehen, das sich von uns aber auch nicht stören ließ.

Am Shelter war ich um kurz nach 19:30.

David Lesser Memorial Shelter

Und hier kam die nächste schöne Überraschung. Die Wasserquelle ist eine Viertelmeile vom Shelter entfernt. Ein steiler Abstieg und der bisher mit Abstand am schlechtesten gepflegte Blue Blaze Trail. In mein Zelt konnte ich eine knappe Stunde später kriechen. Auf ein warmes Abendessen habe ich heute verzichtet, sondern habe während dem bloggen gesnackt. Um 21:30 war Feierabend und meine Augen vielen auch schon fast zu.

Veröffentlicht in Juni

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