Heute morgen bin ich gut erholt aufgestanden. Die Nacht auf dem weichen Waldboden kombiniert mit angenehm kühlen Temperaturen (nicht so kalt wie vorhergesagt) war wunderbar erholsam. Aufgestanden bin ich trotzdem erst um 6:15. Wieder auf dem Trail war ich um 7:40.

Nachdem ich gestern Abend noch etwas von Burgern und Milchshakes im Restaurant der nächsten Wayside (den Restaurants am Trail im Shenandoah) gelesen hatte, war mein erstes Tagesziel ganz klar gesetzt. Und nach kurzer Zeit wurde ich sogar noch schneller, da ich schon nach weniger als einer Stunde nach dem Frühstück wieder hungrig war. Und wie!


Und um 10:30 waren die ersten 7,2 Meilen geschafft. Burger gab es aber leider erst ab 11h. Also habe ich meine Vorräte so aufgestockt, das ich direkt bis Harper’s Ferry durchlaufen kann und habe etwas rumgetrödelt. Rumgetrödelt heißt: die Füße ausgestreckt, Cola getrunken und Snacks aus dem Shop gegessen. 😉
Kurz nach 11h gab es endlich mein Wunschmenü: ein Bacon-Cheeseburger, mit Fritten und einem Milchshake. Was hat das Lecker geschmeckt!


Auf den nächsten Meilen habe ich den Energieschub durch das Essen richtig gemerkt. Und da ich während der Pause auch die Schuhe aus hatte, ging es denen auch einigermaßen gut. Die nächste schöne Aussicht gab es am Rattlesnake Overlook. Zum Glück ohne Klapperschlangen.

Und so ging es durch einen früh sommerlichen Wald und bei angenehmen Temperaturen weiter.



Mitten in meine Gedanken vertieft, habe ich es kurz vor der Besteigung von Marshall Mountain dann im Gehölz knacken gehört. Und siehe da, ungefähr 3m(!) vor mir stellt sich auf einmal ein Schwarzbär auf und etwas kleines, schwarzes verschwindet im Unterholz. Da bin ich dann erst Mal drei Schritte nach hinten gegangen und habe beruhigend auf die Bärin eingesprochen. Muss ein schlaues Tier sein, denn sie hat mein Deutsch wohl verstanden und ist dann, mich misstrauisch beobachtend, auch verschwunden. Danach war mir etwas anders in der Magengegend … Das war echt knapp!
Knappe 30m habe ich dann 3 Hiker getroffen, die mich gefragt haben, ob ich denn die Bären gesehen hätte. Von Ihnen hätten die sich nämlich nicht verscheuchen lassen. Ups.
Diese Begegnung hat mich doch etwas aus dem Tritt gebracht. Und meine Füße haben sich danach auch verstärkt gemeldet. Gut das ich beim folgenden Aufstieg Show Me getroffen habe. Wir sind die letzten acht Meilen zum Shelter zusammen gewandert und haben uns unterhalten. Das hat uns beide von unseren Füßen abgelenkt.😉


Vor allem aber wurde auf den letzten Meilen der Trail wieder steiniger. Nach über 20 Meilen besonders angenehm.


Und um 18:30 haben wir , inzwischen verstärkt von Brah, das Ende des Shenandoah National Parks erreicht. Und das heißt, dass Virginia sich langsam dem Ende zu neigt. Wird auch langsam Zeit.

Kurz vor 19h war ich endlich am Shelter. Und so froh war ich schon lange nicht mehr, endlich am Ziel zu sein. Mit Zelt aufbauen, kochen, essen und reden war es fast halb neun, bis ich im Zelt war. Und den Blogbeitrag für so einen langen Tag zu schreiben hat noch einmal 45 Minuten gedauert.


Jetzt hoffe ich nur noch, das die Wettervorhersage für die nächsten Tage lügt. Die sagt nämlich etwas von fast drei Tagen Dauerregen…