19.05.2019 – Tag 56: Pickle Branch Shelter nach Pig Farm Campsite (697,3 – 714,2 Mi)

Die letzte Nacht habe ich nicht besonders gut geschlafen. Durch den Regen war es schwül-warm. Und mir tat alles weh. Trotzdem bin ich um 6:30 aufgestanden und habe mich fertig gemacht. Um 7:40 bin ich los gelaufen. Und da ich mir für heute nur 16 Meilen vorgenommen habe, bin ich schön langsam gegangen.

Keine Stunde später habe ich dann ein knacken im Unterholz gehört. Und siehe da, ein Schwarzbär ist panisch vor mir geflüchtet. Ich muss inzwischen wirklich teuflisch duften.😉

Kurz danach folgte der erste große Meilenstein des Tages: die 700ste Meile ist geschafft!

Und wie soll es auch anders sein, danach begann ein langer und steiler Anstieg. Und die Temperaturen kombiniert mit der hohen Luftfeuchtigkeit haben das zu einer ziemlich schweißtreibenden Angelegenheit gemacht.

Das Ende dieses Aufstiegs war den Schweiß aber wert: Dragons Tooth. Und von oben hat man eine super Aussicht.

Der berühmte Dragons Tooth
Aussicht vom Dragons Tooth

Dafür hatte es der Abstieg danach in sich. Teilweise war das schon eher klettern als wandern. Aber da hier auch viele Tageswanderer her kommen, gab es an manchen Stellen sogar Metalltritte im Stein.

Allerdings hat sich zwischendurch jemand von dem ganzen Verkehr sehr gestört gefühlt: die Kleine hat alles und jeden mächtig angefaucht. Zu beginn des Trails wäre ich wahrscheinlich vor Angst gestorben, jetzt hatte ich nur noch einen leichten Herzinfarkt. 😉

Das letzte Stückchen war schon wieder eher ein Wanderweg. Und die letzten Meter bis zur Straße habe ich schon von Trail Magic phantasiert. Oder zumindest von einigermaßen kaltem Wasser! Meine Vorräte waren bis da dank Steigung und Temperaturen nämlich vollständig aufgebraucht. Und unten, neben der Newport Road VA 624, war wirklich ein kleines, braunes Rinnsaal. Lecker. Buah.
Stattdessen kamen Disco, Speed Racer und Two Fingers in einem Shuttle vorbei. Das sollte sie zum Homeplace Restaurant fahren. Das ist ein amerikanisches, gutbürgerliches AYCE Restaurant. Ob ich denn mit wolle?

The Homeplace: Disco, Speedracer und 2Fingers

So gefüttert (oder gemästet) war ich später Papp satt. Sogar so satt, das ich mir überlegt habe, eine Nacht im Hostel zu verbringen. Der Fahrer hat uns nämlich am Four Pines Hostel abgesetzt. Ein sehr cooles und Spendenbasiertes Hostel. Und an den Eiern der freilaufenden Hühner dürfe man sich frei bedienen. Und abends ließe sich zu einem Shuttle zur nächsten Brauerei organisieren. Könnte ich mir fast überlegen …

Das Four Pines Hostel
Speedracer, Beast, 2Fingers, Disco und ein Huhn

Aber nichts da. Also auf zum nächsten Aufstieg. Denn da am Ende steht eine ganz besondere Belohnung. Also zu Fuß die 0,4 Meilen zurück zum Trail.

Auf dem Trail zurück, ging es zuerst einmal angenehm weiter. Lediglich der erste Anstieg auf den Hügelkamm war etwas fordernd. Aber mit so einem guten Mittagessen ist das auch kein Thema. Das war auch gut so. Denn das Mittagessen hat fast zwei Stunden gedauert und vorher war ich auch schon nicht besonders schnell. Und wenn ich mein Ziel noch bei Tageslicht erreichen wollte, musste ich mich beeilen.

Den Kamm habe ich dann auch endlich wieder in nahezu Normalzeit geschafft. Und am Ende gab es sogar etwas Trail Magic. Eine kalte Limo für mich. Lecker! Den ganzen Tag über war Wasser nämlich eher Mangelware.

Danach kam der letzte Aufstieg des Tages. 1.200 Fuß über 3,7 Meilen. Und auch die vergingen wie im Flug, als wäre oben ein Magnet angebracht, der mich hochziehen würde. Es ging zwar teilweise etwas steil nach oben, dafür entsprach der Trail auch endlich wieder der Bezeichnung Wanderweg.

Um 19h war ich endlich am Gipfel und damit am Ziel: McAfees Knob! Der am meisten fotografierte Punkt auf dem Appalachian Trail. Hier habe ich mit Two Fingers, Disco und Speed Racer eine ausgedehnte Pause gemacht. Ein wunderschöner Ort, der einen die Strapazen der letzten Tage fast vergessen lässt.

Disco, Speed Racer, Bilbo, 2Fingers
Bilbo am Mc Afees Knob

Bevor es weiter ging, haben wir aber noch den Sonnenuntergang in Ruhe genossen.

Zum Abschluss ging es nur noch etwas über eine halbe Meile bergab, bis zur Campsite. Hier habe ich nur noch so schnell wie möglich mein Zelt aufgebaut, Wasser geholt und mich auch ganz schnell ins Zelt verzogen. Die anderen drei sind weiter zum Shelter, die haben heute keine Lust Ihr Zelt aufzubauen.

Pig Farm Campsite
Veröffentlicht in Mai

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