Nachdem ich gestern später ins Bett gegangen bin, bin ich dafür heute früher aufgestanden. Um 6:20 war ich schon auf den Beinen. Gestartet bin ich aber erst um 7:50, da ich mich heute extra ausgiebig gedehnt habe.

Die erste Stunde ging es zum Aufwärmen erst einmal angenehm bergab und über angenehm weichen Waldboden.

Von dort aus öffnete sich das Gelände und der Trail führte wieder durch Felder und Wiesen. Sehr schön.


Bis hierhin habe ich mein Schienenbein zwar etwas gespürt, aber es war schon deutlich besser als gestern. Und die Dehnübungen in jeder Pause haben sicher auch etwas geholfen.
Kurz bevor der erste richtige Anstieg des Tages kam, folgte noch etwas ganz besonderes: Keffer Oak, mit 18 Fuß Umfang der größte Baum im südlichen Teil des Trails und mit über 300 Jahren wohl auch der älteste.

Spätestens hier war mir aber auch klar, das ich nicht so schnell bin wie ich hätte sein sollen/wollen. Also habe ich mich auf einen extra langen Tag eingestellt. Zusätzlich hat sich mein Schienenbein ab hier wieder häufiger gemeldet. Der Anstieg zum Sarver Hollow Shelter danach war zwar anstrengend, aber noch okay.


Dafür war der nachfolgende Bergrücken umso anstrengender. Aber auch sehr schön.



Dort habe ich auch die östliche Wasserscheide der USA überquert. Ab hier trennen sich die südlichen Flüsse, und fließen nicht mehr in den Golf von Mexiko, sondern in den Nordatlantik.

Anschließend ging es wieder gute 1.800 Fuß nach unten. Und mein Schienenbein hat sich deutlich gemeldet.

Den abseits des Trails liegenden Shelter habe ich ignoriert. Stattdessen bin ich direkt ganz abgestiegen und habe mich und meine Füße im Bach erfrischt.

Das hat echt gut getan! Und hat auch Kraft für den jetzt anstehenden 1.600 Fuß Anstieg gespendet. Und der war lang, steil und anstrengend! Ich bin mir vorgekommen wie bei meinen ersten Anstiegen…


Erschwerend kam hinzu, das mir klar war, das ich oben angekommen immer noch sechs Meilen vor mir hatte.

Direkt am Weg lag auch ein Denkmal für Audie Murphy, den höchst dekorierten Soldaten des zweiten Weltkrieges.

Runter ins Tal ging es zum Glück schneller als befürchtet. Und schön war es auch! Und das Beste: Hier bim Dehnen habe ich wohl irgendetwas richtig gemacht, den plötzlich war der meiste Schmerz im Schienenbein weg. 😁


Im Tal angekommen gab es sogar noch etwas Trail Magic: eiskalte Cola! Der edle Spender hatte gehört das noch ein Deutscher kommt, und zusammen mit ein paar Bier extra noch auf mich gewartet. Da ich aber noch zum Shelter weiter und nicht am Fluss Campen wollte (was ich dann sicher gemusst hätte), habe ich dankend auf das Bier verzichtet. Gut, dass der Typ seltsam war, das hat sicher auch dazu beigetragen. 😉

Die letzten 1,2 Meilen durfte ich wieder aufwärts laufen. Müde, extrem verschwitzt, dreckig und von Fliegen und Mosquitos umschwirrt. Wie man hört, war ich voll motiviert.


Umso glücklicher war ich , als endlich das Schild zum Shelter auftauchte. Der war nur leider eine Drittel Meile vom Trail entfernt. Da ich nach einiger Zeit aber ein paar andere Zelte sah, habe ich meines einfach daneben gestellt. Mit den Besitzern, einigen Day-Hikern, habe ich auch zu Abend gegessen. Zumindest bis es anfing zu regnen und ich mich in mein Zelt verzogen habe.

Diese Day-Hiker schätzen die Gefahren hier im Wald wohl etwas anders ein als ich: zwei von Ihnen schleppen nämlich Pistolen mit sich rum. Gegen die Bären und andere gefährliche Wanderer. ..
