11.05.2019 – Tag 48: Jenkins Shelter nach US 52 nach Bland (580,4 – 591,7 Mi)

Heute ist Samstag. Und Wochenende heißt was? Genau: für den ganzen Tag (und auch morgen) ist Regen angesagt. Die Nacht hatte ich daher im Shelter geschlafen. Und das erstaunlich gut. Das einschlafen im Shelter ist für mich zwar immer schwer, aber wenn ich schlafe dann gut. Die nächste „Stadt“ ist Bland. Und dort gibt es einen (AYCE) Pizza Plus. Das war heute Morgen unser Ziel. Auf Grund des Wetters haben wir alle beschlossen, eine Nacht im Hotel zu verbringen. Und da wussten wir noch nicht, was der Tag bringen würde. Aufgestanden bin ich kurz nach 6h, losgelaufen um kurz vor 7h. Da war es zum Glück noch trocken.

Damit es auch richtig Spaß macht, ging es zum warm werden erst einmal 700 Fuß nach oben. Und zwar wie gewohnt ohne Switch Backs. Der Anstieg war aber nach einer halben Stunde schon geschafft.

So aufgewärmt sind die Meilen vorbeigeflogen. Das kann aber natürlich auch an dem fast leeren Rucksack, dem einsetzenden Regen und der Aussicht auf die Pizza gelegen haben. 😉

Um kurz nach 11h waren die 11,7 Meilen damit geschafft. Und auch (zum ersten Mal?) Die 11by11 Challenge. Also 11 Meilen bis 11h.

Bis dahin hatten wir die schlechten und verwirrenden Nachrichten auch schon gehört. Aber dazu später mehr.

Die Straße war leider nicht gut befahren, also haben wir mit der ganzen Gruppe beschlossen, ein Shuttle zu rufen. Das hätte aber maximal Platz für drei gehabt. Also haben wir weiter den Daumen raus gestreckt – und wieder Mal Glück gehabt. Nur kurze Zeit später hielt ein Ehepaar aus Idaho an, die hier Urlaub machen und etwas Trail Magic verteilen wollten. Die beiden sind nämlich riesige AT Thru-Hiker Fans und schauen sich regelmäßig Vlogs auf YouTube an. Dank der beiden sind wir schnell und trocken ins Big Walker Motel gekommen.

Dort haben wir dann erstmal geduscht und sind danach ins nahegelegene Dairy Queen Diner zum Mittagessen. Naja, lecker ist anders (bis auf das Eis). Aber zumindest macht es satt. Das Pizza Plus ist nämlich leider nicht in Bland sondern in der Nachbarstadt.

Anschließend gings zum Dollar General Vorräte kaufen. Zurück im Motel haben wir entspannt, gewaschen oder einen (oder auch mehrere 😉) Film geschaut.

Abends gab es dann mit allen gemeinsam Pizza und noch einen Film.

Den heutigen Tag über hat allerdings ein anderes, sehr trauriges Thema, die Gespräche beherrscht. Dazu muss man allerdings wissen, das seit einem knappen Monat ein Wanderer mit dem Trail-Namen Sovereign, von allen anderen aber eher Machete genannt, den Trail heimgesucht hat. Vor ca. einem Monat hat er in Tennessee einige Wanderer mit seinem (langen) Messer bedroht und hat einen Hund gestohlen. Das hat unter anderem dazu geführt, das der Besitzer des Laurel Hostel Ihn mit einem Schuss aus seiner Schrotflinte verscheucht hat. Kurz danach ist er von der Polizei festgenommen worden. Da allerdings kein Wanderer für eine Gerichtsaussage vom Trail gehen wollte, sind nur sein Messer und die bei Ihm gefundenen Drogen einbehalten worden und er wurde frei gelassen.
Ein ehemaliger Thru-Hiker mit dem Namen Odie (der Herausgeber des Hiker Yearbook) wollte Ihm dann helfen: hat ihm gut zugesprochen, ein Essen bezahlt und ihm ein Busticket nach Hause gesponsert. Das hat Sovereign aber nur genutzt, um bis nach Virginia zu fahren. Dort hat er letzte Nacht zuerst vier Wanderer belästigt und bedroht. Unter anderem damit, dass er zurück kommt und ihre Zelte anzündet. Zwei von den vieren haben daraufhin Ihre Sachen gepackt und sind weiter gegangen. Die anderen beiden sind geblieben. Das hat sich weiter aufgeschaukelt. Das traurige Endergebnis dieser Nacht ist eine verletzte Wandererin und ein toter Wanderer (Stronghold). Mein tiefstes Mitleid für seine Familie und Freunde. Die ganze Zeit über war Machete immer nur einen Shelter vor oder hinter mir. Beängstigend. CNN hat eine ganz gute Zusammenfassung dazu geschrieben: https://www.google.com/amp/s/amp.cnn.com/cnn/2019/05/13/us/appalachian-trail-machete-attack/index.html

RIP Stronghold!

Davon abgesehen war die ganze Situation für uns alle sehr belastend. Vor allem auch, da die Informationslage zu Beginn sehr Bescheiden war. Niemand wusste, wer denn da verletzt oder getötet war. Und die Erreichbarkeit von Hikern im Wald ist ja immer schwierig. Und so haben wir uns alle sehr große Sorgen um unsere Freunde gemacht von denen wir wussten, das sie hinter uns waren.
Und da die Polizei den Trail hinter uns gesperrt hat, haben die auch nicht sofort aufholen können, was die ganze Situation hinsichtlich Informationen noch unsicherer gemacht hat.

Veröffentlicht in Mai

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